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s wird Zeit für den voraussichtlich vorletzten Beitrag in der Serie das „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation„. Viele von Euch haben sicherlich mit mir gezittert. Gehofft, dass weiterhin alles gut geht und sind dennoch mehr gespannt als zuvor wie die Geschichte nun weiter gehen mag.  Ich werde sie Euch nun im folgenden Schildern. Wie immer für mich selber etwas entschärft, weil die Zeit für mich im Krankenhaus teilweise echt heftig war. Ich hoffe Ihr mögt mir es verzeihen, dass ich es nicht in allen Einzelheiten wiedergebe.


Und nun weiter zum Tagebuch – Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.  Natürlich würde ich mich wie immer über Rückmeldungen, Kommentare oder E-Mails freuen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Sonntag – Mein Alltag im Krankenhaus ist wirklich sehr monoton. Die Station 4 der Frauenklinik in München ist mittlerweile wie leer gefegt. Die meisten Zimmer sind verweist und eigentlich fehlen nur noch diese Büsche die durch den Gang rollen. „Hallo? Ist hier wer?“ – wie oft hab ich mich das gefragt.  Alles wirkt irgendwie etwas gespenstisch. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich die letzten Tage nur noch einsam meine Runden über den Flur drehe.

Irgendwie fehlt mir jemand zum Reden. Versteht mich nicht falsch – die Schwestern sind total toll und lieb, dennoch möchte man sich auch mal über etwas anderes unterhalten. Gerade wenn man immer nur die gleichen Wände zu sehen bekommt. Wie dem auch sei. Ich fühle mich momentan gefangen in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Jeder tag gestaltet sich gleich. Im Grunde kann ich eigentlich eine Checkliste machen.. Aufwachen check, duschen check, Verband wechseln (check), Frühstücken (check), rumgammeln (megacheck), usw.

„Ich bin ein Star holt mich hier raus“ – Aber es gibt ein paar Lichtblicke am Horizont. Zum Einem kommen heute ein paar neue Patienten und ich vielleicht sogar eine neue Zimmernachbarin. Ich hoffe nur, dass ich mich mit ihr verstehe. Egal was sein wird. Fakt ist, dass elf Tage alleine auf dem Zimmer zu viel sind. Wie schaffen das nur Häftlinge im Gefängnis? Ich mag mir das lieber nicht vorstellen ….

…. Ich bin zurück von der täglichen Kontrolluntersuchung. Fragt nicht wie meine Laune ist. Ich hab es eben nochmal von der Ärztin bestätigt bekommen. Der Blasenkatheter wird jetzt noch 1-2 Tage zur Sicherheit länger drin bleiben. Eigentlich hätte er ja heute Nacht gezogen werden sollen. Na ja, ich sollte mir vielleicht einfach nicht zu viel Hoffnung machen. Den Ärzten ist das nekrotische Gewebe einfach noch zu instabil, als dass sie dort noch durch den Urin etwas riskieren wollen.

Auf der einen Seite ist das für mich auch logisch und verständlich. Aber ich hasse das Ding einfach nur noch. Egal wie ich mich bewege, hinlege oder stehe – ständig liegt dieser blöde Schlauch an den unmöglichsten Stellen und drückt wo drauf. Das ist so blöd, dass nicht mal Polstern wirklich hilft. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu mobil und zu aktiv? Sei es drum, die maximal zwei Tage schaffe ich auch noch. Leider ohne eine neue Zimmernachbarin. Dafür kann ich aber ungehemmt ins Kissen heulen.

Keine Hoffnung mehr

Vergisst was ich gesagt habe! Von wegen der Katheter bleibt nur noch maximal zwei Tage drin. Ich will wirklich nicht mehr. Warum kann nicht einfach mal irgendwas gut laufen? Nein, ich habe viel mehr irgendwie das Gefühl, ich habe hier das All-Inklusiv-Entertainment-Paket bestellt. „Frau H., als gute Kundin erhalten sie noch dieses Wahnsinns-Angebot noch dazu, wenn sie jetzt sofort bestellen“ – Wer kann da schon widerstehen. Ach ne, ich muss ja immer überall „Ja, das nehme ich“ sagen. Nein sagen gehört eindeutig nicht zu meinen Stärken.

Aber mittlerweile hab ich jetzt auch eine ganz klare Aussage wieso, weshalb, warum. Das Gewebe unter und um der Nekrose herum ist wohl so sehr angegriffen, dass sie befürchten dass sich dort eine Fistel bilden könnte. Und da sie lieber nichts riskieren wollen – was absolut richtig ist – bleibt der Katheter halt vorerst dort wo er ist. Egal wie sehr mich das auch frustet. Am Ende ertrage ich es dennoch. Schließlich bin ich jetzt schon so weit gekommen, dann halte ich den Rest auch noch aus.

Obwohl? Soll ich mir den Blasenkatheter einfach selber ziehen? Nicht nur einmal beschäftigt mich der Gedanke – es ist blöd wenn man weiß wie das im Grunde geht. Dennoch bin ich, trotz extreme großer Frustration, viel zu vernünftig! Und das ist auch gut so – wer weiß welchen Schaden ich damit verursachen würde und glaubt mir, mein gerade erreichtes „Glück“ möchte ich nicht verlieren – auch wenn ich keine Hoffnung mehr habe, dass ich diese Woche noch Heim kann.

Trotz aller Frustration und Resignation habe ich Euch auch etwas positives zu berichten. Die Station 4 ist wieder mit Leben gefüllt. Endlich bin ich nicht mehr gänzlich alleine, wenn ich meine Runden über den Flur drehe und draußen der Natur beim Aufblühen zu schaue. Das Beste ist allerdings, dass ich seit Mittwoch wieder eine super nette neue Zimmernachbarin habe. Wahnsinn! Nach über elf Tagen bin ich nicht mehr alleine. Das ging mir jetzt zum Schluss echt auf den Keks.

Und was noch viel besser ist, wir verstehen uns bestens. Es hätte mich da durchaus wesentlich schlechter treffen können. Ich werde jetzt einfach meine Augen verdrehen und dankbar sein, dass die Person nicht bei mir gelandet ist.

 Der Katheter kommt raus…!

Es ist mal wieder ein Wochenende – schon wieder einmal. Das Dritte, wenn ich noch mit dem Zählen mitkomme. Die letzten Tage liefen echt wahnsinnig gut. Viel besser als ich es jemals gedacht bzw. erhofft habe. Die Wundheilung hat einen riesen Sprung nach vorne gemacht. So gut anscheinend, dass die Schwester bei der heutigen Kontrolluntersuchung hinter dem Arzt stand. Ein „WOW“ mit dem Mund machte und grinsend beide Daumen nach oben riss.

Ich war noch sichtlich amüsiert von ihrer Aktion, als der Arzt mir verkündete, dass es wohl an der Zeit ist und er versuchen möchte morgen früh den Blasenkatheter zu entfernen. Wie? Was? Wo? Hab ich was verpasst? Mein Herz rutschte runter und machte im gleichen Atemzug einen Sprung bis an die Decke. Hab ich das gerade richtig verstanden? Offensichtlich! Nach 17 Tagen mit diesem blöden Teil zwischen den Beinen und dem Beutel an meiner Seite sollte ich schon am nächsten Tag frei von dem Zeug sein. Endlich *seufz*

Es war dann also auch kein Wunder, dass ich freudestrahlend ins Zimmer lief und mich gut gelaunt auf das Bett legte. Ich musste erstmal meiner Liebsten die wahnsinnig tolle Neuigkeit erzählen – Licht am Ende des Tunnels! Was sich so alles in einer Woche ändern kann!

Am Anfang der Woche noch völlig frustriert, hoffnungslos und allein. Und jetzt?  Überglücklich und hoch motiviert auch die letzte Etappe der „Reise“ meistern zu können. Darüber hinaus, entwickelte sich der Flur zu einem Treffpunkt zum Quatschen. Ich glaube ich hatte einfach ganz großes Glück, dass genau in einer meiner dunkelsten Phasen im Krankenhaus die Station zu neuem Leben erwachte und dass dann dort auch genau die Menschen anwesend waren mit denen ich mich verstand.

Vielleicht ist ja auch ein Fünkchen Wahrheit daran, dass die körperliche Genesung besser voran schreitet, wenn man seelisch stabiler und glücklicher ist. Zumindest hatte ich das Gefühl. Wie dem auch sei. Morgen früh ist es so weit – 18 Tage nach der Operation kommt endlich der Blasenkatheter raus. Hoffentlich wird der Gang auf die Toilette problemlos klappen. Ach was, das wird es. Ich muss einfach positiv denken.

Weiter geht es bald im nächsten Teil vom „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“. Also schaut bald wieder vorbei. 😉

Liebe Grüße
Ellen