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achdem ich im letzten Teil „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation – Teil 3“ Euch ausführlich über den Tag der Operation (GAOP) geschrieben habe, folgt nun der weitere Verlauf in den ersten Tagen. Bitte wundert Euch nicht, wenn ich den ein oder anderen inhaltlichen Zeitsprung nach vorne mache. Schließlich ist der Alltag im Krankenhaus alles andere als Abwechslungsreich und so ähneln sich die Tage halt alle irgendwann, irgendwie, irgendwo.  Schlafen – Verbinden – Essen – Schlafen – … – Monotonie in Höchstform.

Und nun weiter zum Tagebuch – Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.  Natürlich würde ich mich wie immer über Rückmeldungen, Kommentare oder E-Mails freuen.

Der Morgen danach

Eine „extreme“ erste Nacht liegt hinter mir! Nicht nur, dass ich mit der Nachtschwester eine ausgedehnte Kühl- und Sandsackparty hatte. Nein, ich habe mehr oder weniger mehrere komplette Filmrisse. Ich erfahre auch nur von Ihr am Morgen, dass es wohl doch recht arg nach geblutet hat und dass sie mehrfach den Verband wechseln musste. Mein Name ist Ellen – ich weiß von nix.

Es ist im Augenblick auch nicht so wichtig. Die Nacht habe ich zum Glück überstanden und ab nun heißt es schnell wieder fit werden! Was dann „schnell wieder fit werden“ heißt bekam ich dann auch recht bald zu spüren. Kurz nach dem Frühstück bekam ich Besuch von vier Krankenschwestern. „Guten Morgen Frau H.! Jetzt wollen wir sie mal mobilisieren!“ *schluck*

Lang konnte ich nicht drüber nachdenken und eh ich mich versah standen schon meine Schuhe neben dem Bett und eine Schwester erklärte mir wie ich mich abzustützen habe. Soweit kein Thema und ich saß relativ flott auf dem Bettrand. Hey, mir ist gar nicht schwindelig. Die Euphorie wurde dann aber schnell gebremst, als ich letztendlich stand und in die Schuhe schlüpfte. Hui, Achterbahn fahren ..

Wie war das? Einen Punkt fixieren, am Besten ein Schwester und gerade aus schauen. Langsam fing sich der Kreislauf wieder. „So Frau H., und nun gehen wir ins Bad und machen Sie frisch!“..Nein, stopp, nicht so schnell – Doch bevor ich auch nur etwas sagen konnte stand ich schon vor dem Waschbecken und hatte die Zahnbürste in der Hand. Fragt mich nicht wie ich es geschafft habe die Zahnpasta auf die Bürste zu bekommen, aber irgendwie ging es – schön war es aber nicht. Außerdem fühlte ich mich völlig matschig im Kopf.

„Wollen Sie sich setzen?“ – Ich glaube das hätte ich besser nicht gemacht, denn nun wurde es schlagartig grenzwertig. Zwar bin ich noch mal hoch und wollte weiter putzen … aber mir hat es gereicht und ich hab nur zu gesehen, das ich zurück zum Bett gekommen bin. Ein paar Schritte mehr und die Lichter wären wohl ausgegangen. Erleichtert ließ ich mich ins Bett fallen.

Seltsamerweise waren die Schwestern mit dem Erreichten recht zu frieden und als ich fragte, ob ich dass nächste Mal alleine aufstehen durfte bekam ich das okay. Ich solle nur keine „Gewaltmärsche“ machen. Lieber ein paar mal fünf Meter oder so laufen als gleich einen Marathon. Das wollte ich sicherlich nicht. Ich wollte einfach mein eigenes Tempo vorgeben, denn so war es mir eindeutig aktuell zu schnell.

Die ersten 5 Tage

Und so war es dann auch! Mit meinem eigenem Tempo kam ich viel besser zurecht. Mir war dann am Nachmittag auch nicht mehr schwindelig und so konnte ich meine ersten wackeligen Laufversuche auf dem Gang machen. Wobei mehr als ein paar Meter zum Fenster schaffte ich eh nicht. Aber hey, ich war wieder mobil .. zumindest halbwegs. Denn auf was mich keiner vorbereitet hatte.

Neben dem obligatorischen Blasenkatheter und dem wunderschönen Urinbeutel – war mir das blöde Ding peinlich – hatte ich nämlich einen massiven Druck zwischen den Beinen. Wie beschreibe ich es am Besten? Es fühlte sich an, als ob mir jemand ein breites Holzbrett zwischen die Beine genagelt hatte. Und so lief ich dann auch .. breitbeinig und von links nach rechts wackelnd. Aber nicht weil es weh tat, sondern einfach weil dieses Gefühl so unangenehm war.

Später erfuhr ich, dass unter anderem der „Eingeknüpfte“ für das Gefühl da unten mit Schuld ist. Für die, die nicht wissen was das ist? Bei der Operation wird ein Stückschaumstoff zwischen die Schamlippen genäht, damit diese nicht beim Heilen verkleben und auseinander gehalten werden. Zusätzlich wird die „neue“ Scheide von Innen aus den gleichen Gründen noch mit einer Art Tamponage versehen. Kurz um – man fühlt sich wie eine gestopfte Weihnachtsgans.

Zum Glück sollte dieser Zustand auch nur fünf Tage anhalten. Ich glaube ich wäre sonst schier verzweifelt. Was mich allerdings viel mehr verwunderte. Schmerzen!? Wo waren die großen Schmerzen? Die Operation war doch nicht ohne… Klar es zwickte und drückte mal hier mal da, aber im Groben und Ganzen war es mehr als erträglich. Vielleicht war ich auch einfach nur gut mit den prophylaktischen Schmerzmitteln so gut eingestellt, dass es mich nicht mehr wirklich juckte.

So verging ein Tag nach dem Anderen – Immer mit dem großen Ziel es bis zum Montag (fünfter Tag) zu schaffen. Ich wurde immer agiler und beweglicher, so schaffte ich es bald die Beine wieder ohne Probleme zusammen zu machen. Sprang schon fast förmlich ins Bett – Zitat von der Visite: „Sie sind aber mobil!“ – und freute mich als am Freitag meine Bekannte auf mein Zimmer wechselte. Endlich nicht mehr allein. Die Isolationshaft war zu Ende!! Auch wenn es nur bis Sonntag früh war.

Es tat so gut, endlich jemanden zum Reden zu haben, nachdem mich meine vorherige Zimmernachbarin ja bereits am Mittwoch vor der Operation verlassen hatte. Auf jeden Fall hatten wir und vor allem die Schwestern viel zu lachen. So häufig dürften sie so eine Zimmer-Konstellation auch nicht auf der Station haben. Auch wenn ich so manches mal über das vegetarische Essen meckerte. Dazu dann aber irgendwann vielleicht mehr.

Am Samstag und Sonntag bekam ich meinen ersten lieben Besuch. Was hätte ich nur ohne sie gemacht? Ein Freund brachte mir am Samstag Kekse und meine Liebsten am Sonntag Obst, Gemüse und wichtig GEWÜRZE!! Wisst Ihr eigentlich wie schön es ist seine Familie nach so einer Operation wieder zu sehen? Ich kann es Euch sagen. So schön, dass mir riesige Tränen der Erleichterung herunterliefen. Ich wollte sie gar nicht mehr gehen lassen … so glücklich waren wir. Vor Allem,  dass alles gut verlaufen ist.

Doch jeder Besuch ist einmal vorbei und so musste ich sie leider am späten Nachmittag wieder ziehen lassen. Schön war es auf jeden Fall. Ach ja.. und es war mein erster Tag gänzlich ohne Schmerzmittel. Ob es an meinem Besuch lag oder ob ich sie einfach nicht mehr gebraucht habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Es war zumindest keine Veränderung zu spüren, d.h. mir ging es ohne genauso gut wie mit. Also warum noch welche nehmen?

 Der „Eingeknüpfte“ oder endlich frei

Montag – heute vor fünf Tagen wurde ich operiert. Fünf lange Tage ist das jetzt schon her .. Wahnsinn! Wobei wirklich „frei“ fühle ich mich noch immer nicht. Zwar nehme ich seit gestern keine Schmerzmittel mehr, aber das unangenehme Gefühl durch den festgenähten Schaumstoff ist einfach extrem furchtbar bis grauenhaft. Vielleicht ist es auch der Grund, warum ich bis heute jeglichen Blickkontakt – und sei es nur mittels Spiegel – mit dem Bereich da unten vermieden habe.

Bereich, weil ich noch keinen anderen Begriff dafür habe. Klar weiß ich, dass die Operation erfolgreich war – aber in meinem Bewusstsein ist es noch längst nicht angekommen, dass ich endlich passend bin. Aber vielleicht wird es jetzt besser. Schließlich geht es jetzt zum ersten mal in meinem Leben auf den „Stuhl“ und ich werde von dem Zeug da unten befreit …

… Wieso hat mich keiner vorgewarnt!? Ein wenig mulmig wurde mir nämlich schon, als ich den Raum mit dem Stuhl betrat und die Ärztin mich mit einer langen Schürze begrüsste. Wie so ein schlechter Horrorfilm und ich bin das Opfer! Irgendwie war das total spooky!! Und dann? Dann wurde es doch nicht ganz so schlimm wie erwartet.

„Bitte setzen Sie sich auf die Kante vom Stuhl und stellen Sie die Füße links und rechts auf die Ablagen“ – Gesagt getan und schon wurde der Stuhl elektrisch nach oben und nach hinten gefahren und ich lag breitbeinig vor der Ärztin. Diese nahm kurzer Hand die Schere und begann den Verband zu zerschneiden. Mein Kopf spielte verrückt. Ich hatte Angst es könnte mir irgendwas entweichen und zitterte vor Nervosität vor mir hin.

„Dann wollen wir doch mal schauen“ und schon sah ich wie die Ärztin nach einer Pinzette und nach einem Skalpell griff. Es wurde ernst! Es ziepte kurz und der erste Faden vom Schaumstoff wurde durchtrennt. Es zupfte wieder und wieder und wieder. Und irgendwann war es endlich so weit und der Schaumstoff war weg. Was für eine Erleichterung. Der erste Druck / die Spannung war erstmal weg. Gott sei dank. Doch es war noch nicht zu Ende. Nun ging sie daran, die Tamponage der Scheide zu entfernen. Sie ruckelte und zog. Ein Glück, dass es nicht schmerzte.

Ich sah dann nur noch erstaunt wie lang und wie groß die Tamponage war die sie aus mir heraus zog. Was hatte ich nur alles in mir drin!! Hilfe!! Doch lange Zeit drüber nach zu denken  hatte ich nicht, denn nun sollte gespült werden. Spülen? Es wurde kalt und nass am Po .. uaahh, wie unangenehm. Es wurde aber noch unangenehmer als die Ärztin das Spekulum einführte und dabei ein wenig auf die Klitoris drückte.

Hätte ich die Möglichkeit gehabt an die Decke zu springen wäre ich gesprungen und zwar wie. Aber so konnte ich mich nur am Stuhl krampfhaft festhalten und tief durchatmen. Was für Gefühle!! Kaum war ich halbwegs wieder auf Erden hörte ich sie auch schon sagen „Ja, das hat der Chef schön gemacht. Das sieht sehr gut aus. Und die Tiefe auch“. Glaubt mir, dass war mir in dem Moment sowas von egal.. Ich wollte nur noch da runter und ins Bett. Aber nein! Die Ärztin musste erstmal wieder eine neue Tamponage einführen und nochmal schauen ob auch genug Leben in der Klitoris ist.

Hilfe!! Ich konnte mich gerade noch beherrschen nicht los zu schreien, als sie die Stelle berührte und meinte „Merken Sie das? Oh, ich sehe ja!“. Ein grinsen huschte über Ihr Gesicht und ich war nach dem Anlegen des neuen Verbands für heute frei. „Kühlung ist Ihr Freund“ – Endlich. Schnell noch zwei Kühlbeutel geholt und ab ins Bett zum tief durch Atmen. Ich hoffe nur, dass es jetzt nicht jeden Tag so ist. Sonst dreh ich noch durch. Und Hey, hat sie mehr oder weniger gesagt dass sie mit dem Ergebnis zufrieden ist? Es wird .. und ich freu mich auf Morgen.

 

Weiter geht es bald im nächsten Teil vom „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“. Also schaut bald wieder vorbei. 😉

Liebe Grüße
Ellen