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i Ihr Lieben,

nach einer etwas längeren Pause melde ich mich endlich wieder zurück. Pause? Nein, keine Pause – viel mehr habe ich am Blog gearbeitet und ihm endlich mal eine eigene Optik verpasst. Ich hoffe sie gefällt Euch einigermaßen? Für die Startseite werden noch ein paar zusätzliche Sachen kommen, aber so im Groben und Ganzen ist das endlich ein Erscheinungsbild mit dem ich persönlich leben kann. Aber nun doch zum eigentlichen Thema. Schließlich habe ich das Gutachten nun schon ein paar Tage in meiner Schublade und habe Euch noch gar nicht davon berichtet. Was ich nun aber nachholen möchte. Viel Spaß beim Lesen – „Das erste Gutachten ist da!!“


Was für ein anstregender Arbeitstag! Erschöpft komme ich nach Hause und was finde ich im Briefkasten? Einen großen grauen Umschlag vom Amtsgericht Nürnberg. Nanu, denke ich mir und öffne ihn gespannt. Erst denke ich es ist irgendetwas passiert aber nein, es handelt sich nur um eine Kopie des ersten Gutachten von Herrn Müller aus Nürnberg. Ich soll es einfach nur zur Kenntnis nehmen was ich dann auch gleich mache. Nervös blätter ich das Deckblatt vom Amtsgericht um.

Was mir sofort ins Auge springt. Das Gutachten war schon vier Tage nach meinem Termin beim Gericht. WOW! Was für ein Arbeitstempo – da sag noch einer ein Gutachten kann nicht auch schnell gemacht sein. Naja, ich lese aufgeregt weiter: „ein wissenschaftlich begründetes psychiatrisches Gutachten über …“ – So weit so gut. Nun ist es also amtlich!! Was wenn das Gutachten nicht so ausfällt wie ich es mir wünsche. Doch schon auf Seite 3 steht in der Vorbemerkung: „Im vorliegenden Gutachten ist bereits von Frau H. die Rede“. Ein großer Stein fällt in dem Moment von mir ab und langsam realisiere ich, dass das es so ausfallen wird wie ich es mir so sehnlichst erträumt habe.

Auf den folgenden Seiten wird dann tatsächlich von mir nur noch als Frau geschrieben und ich freue mich wie ein kleines Kind. Könnte im Kreis tanzen und jubeln. Der ganze Körper vibriert und ich fühle mich berauscht vor Glück aber auch gleichzeitig fast einer Ohnmacht nah. Gebannt folge ich den Ausführungen des Psychiaters. Eine Anamnese folgt der anderen. Im Grunde geht aber schon aus allen das hervor, was ich auch schon vorher gewusst habe. Es spricht alles für eine Geschlechtsidentitätsstörung nach dem Transsexuellengesetz und somit augenscheinlich nichts für einen Vornamens- und Personenstandsänderung. Aber ich bin erst auf 6 von 22 angekommen. Wer weiß schon was da noch kommt.

Dennoch liest es sich mittlerweile viel entspannter. Als nächstes folgte ein kurzer biographischer Abriss über mein Leben, so wie ich es dort zu Protokoll gegeben habe. Natürlich fällt mir auch wieder auf, dass ich zum Ende hin die Jahreszahlen durcheinander gewürfelt habe (hoffentlich hat das nicht irgendwann Konsequenzen) – Aber alles im Allen steht genau das drin, was ich gesagt habe. Was aber fest steht, das gelesene bewegt mich selber immer noch. Aber es war ja nun mal so. Das war / ist mein Leben. Im nachhinein ist so viel klar geworden, was auch eindeutig aus dem Gutachten hervor geht. So lesen sich die „Angaben zur Geschlechtsidentität“ eigentlich fast eher wie ein Hilferuf. Es muss doch mehr oder weniger allen klar gewesen sein – gerade in frühsters Kindheit – dass ich nicht in die Rolle eine Jungens passe. Das ich anders war wusste ich immer. Es in Worte zu fassen, war viel schwerer.

Wie auch ? In meiner frühstens Kindheit war Transsexualität als „pervers“ verschrien. Mich hätten einige Nachbarn eh gerne weggesperrt gesehn. Aber egal, lassen wir das, weil es ein anderes Thema ist. Also wieder zum Gutachten. 11 Seiten hatte ich bereits gelesen und nicht ein Punkt sagte etwas wie anderes als dass ich als Frau anzusehen bin. Doch nun – wie sagt man so schön – ging es ans Eingemachte. „Die Psychologischen Befunde“ – Um es kurz zu machen. Es wurde nichts auffälliges festgestellt. Außer dass mein IQ über 130 liegt, aber ein anderer Test nur auf 101. Was mich ganz ehrlich nicht gewundert hat. Macht sowas mal mit Migräne ähnlichen Kopfschmerzen. Und das der IQ hoch ist, hätte ich ihm auch vorher sagen können. Ist ja auch egal. Auf jeden Fall liegt laut Untersuchungen keine Depression oder ähnliches vor. War mir klar, aber Hurra – Kein Ausschlusskriterium gefunden.

Und somit war ich dann schon im eigentlich wichtigen Bereich für das Gericht. „Die Diagnose“ – In meinen Augen war es dann nur noch eine Zusammenfassung aller Ergebnisse der vorherigen Seiten und zum Schluss noch mit einem Fazit versehen. „Aus der Analyse der lebensgeschichtlichen Entwicklung wir erkennbar, dass sich Frau H. schon seit der Kindheit dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt.“ – Das geht doch runter wie Öl. Es wird sogar erwähnt, dass ich mir die geschlechtsangleichende Operation wünsche. Was aber viel wichtiger war ist, ist der letzte Absatz:

„Es ist insgesamt von einer gesicherten Transidentität auszugehen“ – also F64.0 G (zum zweiten Mal) – „Andere psychische Störungen, die differenzialdiagnostisch In Erwägung zu ziehen sind, konnten als Ursache der transsexuellen Entwicklung ausgeschlossen werden.“ – Das sagt doch alles. Es war vollbracht. Ich hab tatsächlich mein erstes positives Gutachten. Ich konnte zu dem Zeitpunkt und auch noch Heute die ganze Welt umarmen. Wisst Ihr überhaupt was mir dieses Gutachten bedeutet? Ein riesen Schritt für mich. Ich bin zwar schon länger „frei“ – Aber die Aussicht auch vom Gesetz anerkannt zu werden ist schon was ganz tolles. Es wird so vieles leichter machen. Alleine beim Bezahlen mit der EC-Karte, wenn die Verkäuferin Dich drei mal anschaut, weil der Name doch nicht zum Gegenüber passt und sie dann aus Verzweiflung Dich Herr (*argh*) nennt. Das und noch so viele andere Dinge, wird das Leben ein Stück weit vereinfachen.

Ach ja, ich sollte vielleicht noch den letzten Punkt aus dem Gutachten erwähnen, bei dem es um die Beantworten der drei Fragen vom Amtsgericht stellt. Wie Ihr es Euch vermutlich denken könnt fallen alle positiv für mich aus 1.) Frau H. empfindet sich seit mehr als drei Jahren dem weiblichen Geschlecht zugehörig 2.) Frau H. steht mehr als 3 Jahre unter dem Zwang, entsprechend diesen weiblichen gegengeschlechtlichen Vorstellungen zu leben. 3.) Frau H. weist eine stabile transsexuelle Prägung auf. Nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft wird sich das Zugehörigkeitsempfinden zum Gegengeschlecht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern. – Wo drauf Ihr wetten könnt.

Auf jeden Fall bin ich total glücklich! So kann ich nun gestärkt und mit voller Freude dem Termin bei meinem zweiten Gutachter am Dienstag entgegen sehen. Es wird schon werden. Ich hab ja immer noch den Traum, dass ich vor meinem Geburtstag im Juli ganz offiziell Frau H. sein werde. Ich glaub dann lass ich es so richtig krachen, mal sehen wer alles mitfeiern mag 😉

Liebe Grüße
Ellen