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iele haben sicherlich schon darauf gewartet. Darum will ich Euch auch gar nicht lange auf die Folter spannen und das „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“ weiterführen. Dies mal sind die ersten drei Tage nach dem der eingeknüpfte Verband raus kam dran. Und als Vorwarnung. Es wird ein wenig emotional! Wobei ich versucht habe es schon etwas weniger dramatisch und nicht zu ausführlich zu schildern.

Und nun weiter zum Tagebuch – Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.  Natürlich würde ich mich wie immer über Rückmeldungen, Kommentare oder E-Mails freuen.

Endlich frei ?

Gestern kam nach fünf langen, schweren und nervtötenden Tagen endlich der „eingeknüpfte“ Schaumstoffverband und der Platzhalter raus. Was bin ich froh, dass Zeug nun schließlich doch los zu sein. Allerdings bestätigte sich meine Hoffnung, dass das Druckgefühl unten weniger werden würde, so gar nicht. Noch immer hab ich das Empfinden, dass mir jemand ein Brett zwischen die Beine genagelt hat. Warum nur?

Dabei hab ich doch die ärztliche Empfehlung sehr genau genommen und hab gekühlt wie sonst was. Doch am Morgen strahlten mich neben der üblichen geschwollenen Beule auch noch zwei kleine Schamlippen in Form von Schlauchbooten an. *seufz*

Es könnte doch langsam mal aufwärts gehen. Aber hey, ich durfte heute früh das erste Mal nach der Operation wieder duschen. Wie toll sich so Wasser und Seife auf der Haut anfühlen können. Doch viel toller war der erste Blick nach unten.  Da war nichts mehr, was da nicht mehr sein sollte. Tränen standen mir in den Augen vor Glück und ich hatte kurz das Gefühl gleich umzukippen. So überwältigt war ich von dem Anblick und so gut fühlte ich mich einfach in meinem Körper.

Das Duschen dauerte dann dem entsprechend auch lang. So schnell wollte ich noch nicht wieder zurück ins Bett. Der Augenblick war für mich einfach viel zu wertvoll. Trotzdem irgendwann war ich auch wieder im Bett und überlegte mir nun endlich den ersten Blick mit dem Handspiegel drauf zu werfen. Ach, hätte ich es nur gelassen!

Es war alles noch so geschwollen und fast überall waren mehr oder weniger Blutergüsse zu sehen. Damit hatte ich ja gerechnet! Die Operation ist eben nicht ohne. Doch traf mich ziemlich schnell ein Schock. Viele Stellen waren einfach extrem dunkel. Vielleicht schwarz? Ich redete mir gut zu, dass es nur ganz ganz dunkelrot ist und das es schon wieder werden würde. Nekrotisch auf keinem Fall! Das will ich nicht! Eben noch im Glückstaumel, so hätte ich jetzt einfach nur noch weinen können. Aber ich blieb hart zu mir selber, wie alle Jahre vorher auch.

Wenn ich eins gelernt habe in meinem Leben. Ich bin ausgezeichnet darin mir selbst etwas vorzumachen. „Es tut nicht weh“, „Es wird alles gut“, „Es ist nicht so“ – Nein ich bin nicht die eiserne Lady. Nur war und ist es immer noch mein Selbstschutz. So war ich dann bei meinem zweiten Besuch auf dem Stuhl mehr oder weniger nicht wirklich da, ich ließ es stoisch über mich ergehen. Hört die Ärztin noch unterbewusst sagen: „Was ist dass denn?“ und „Das soll sich mal der Chef anschauen“ – aber angekommen ist es nicht mehr wirklich. Zurück im Zimmer bemerkte ich dann, dass ich den  Schlüssel für den Schrank verlegt hatte.

Zu sehr war ich einfach durch den Wind. Aufgetaucht ist er dann übrigens später im Bad vor dem Spiegel. Den Rest vom Tag verbrachte ich, wie die Tage zuvor, übrigens im Bett und war für nicht viel zu gebrauchen.  Keine Zimmernachbarin zum Unterhalten und kein Besuch für ein wenig Ablenkung – „Life hates you“ – Ein Glück gibt es die tollen Schwestern auf Station!

Das „Blutbad“

So bitter wie der Tag gestern war, umso besser geht es mir heute. Ich habe es doch tatsächlich geschafft mich langsam wieder aus dem Loch zu kämpfen. Zum Einem war ich trotz blöder riesen Schwellung mobiler als alle Tage zuvor und zum Anderen bekam ich heute ganz ganz lieben Besuch aus Wien. Es tut so gut, gerad in solchen Momenten liebe Menschen um sich zu haben. Vor allem Blumen bringen ein wenig Freude in das sonst so triste Krankenhauszimmer.

Die Zeit vergeht mit Besuch auf jeden Fall wesentlich schneller. Und so erschrak ich doch arg, als auf einmal die Tür aufgerissen wurde und eine Schwester fragte ob ich schon duschen war. „Hä? Nein, Wieso?“ konnte ich noch antworten, als sie dann sagte „Der Chef (Dr. Schaff) kommt gleich zur Visite und ich soll mich ein wenig beeilen“. Verwundert und völlig überrascht musste mein Besuch dann also schon wieder gehen und ich sah zu, dass ich möglichst schnell unter die Dusche kam.

Gerade noch rechtzeitig! Ich blinzelte nach dem Duschen nochmal raus aus dem Flur, als ich sah wie Dr. Schaff auf die Station kam. „Schnell, ins Bett“ dachte ich mir. Kaum drin, ging auch schon die Tür auf und ein herzlicher und freundlicher Chefarzt begrüsste mich mit den Worten: „Wie geht es Ihnen?“ – „Äh, gut soweit“ – „Das ist schön! Wir sehen uns dann gleich und bekommen das hin“.

Zu viel mehr Kommunikation war ich in dem Moment gar nicht im Stande. Wer rechnet auch schon damit, dass der Chefarzt auf einmal bei dir im Zimmer steht. Vor allem nicht, nach dem etliche auf der Station schon gesagt haben, dass man Dr. Schaff eigentlich kaum sieht. War wohl eine Fehlinformation! Nach einem kleinem Tätschler war er dann auch schon wieder aus dem Zimmer und ich lag völlig verwirrt alleine im Zimmer. War das gerade wirklich passiert?

Es dauerte jetzt allerdings noch einige Zeit bis ich zur täglichen Kontrolluntersuchung ins Ärzte-Zimmer gerufen wurde. Zeit genug um das Erlebte noch ein wenig zu verarbeiten. Nochmal zu sammeln, den Bademantel über zu ziehen und noch ein wenig den Gang hin und her zu laufen. Was für ein verrückter Tag bis jetzt! Doch es wurde noch verrückter …

… Ich kam ins „Behandlungszimmer“. Zu meinem Schreck war es gerappelt voll. Alle Ärzte aus dem Team und ein paar Krankenschwestern waren dort. Wohl gemerkt, das Zimmer ist villeicht 15 m² groß und alle drängten sich um diesen einen Stuhl. Hilfe! Muss ich da jetzt hin? Es half ja alles nichts. Ich hing den Bademantel auf und setzte mich wie schon geübt auf den Rand vom dem Untersuchungsstuhl.

Wenige Augenblicke später lag ich dann mit gespreizten Beinen vor allen und gab so tiefe Einblicke auf mein intimsten Bereich. Vor nicht mal einer Woche hätte ich das sicherlich nicht freiwillig getan. Nun war es mir sogar egal und es machte mir absolut nichts aus. Was hat sich in der kurzen Zeit in mir nur so schnell geändert?

Zeit darüber nachzudenken hatte ich nicht, denn schon ging es los. Also das übliche Prozedere. Die alte Tamponade wurde entfernt, es wurde gespült und dann mit dem Spekulum die Tiefe und der Status der Heilung überprüft. Offensichtlich waren alle Ärzte damit sehr zu frieden. „Innen schaut es sehr gut“ sagte die eine Ärztin. „Und sehr schön tief!“ – Dr. Schaff grinste hämisch und meinte nur in einem frechen Spruch: „Jupp, bis zum Anschlag“

Bis zum Anschlag!!  Was soll das heißen? Ich schluckte und dachte mir „Oh mein Gott wie tief muss das sein“ – Die Untersuchung ging aber gleich weiter und die neue frische Tamponade wurde eingesetzt. Natürlich nicht um vorher obligatorisch zu prüfen ob ich auch Gefühle in der Klitoris habe. „Himmel, Herr Gott, arrghh“ – Warum, krampfhaft hielt ich mich am Stuhl fest und atmete tief durch. Von allen kam ein breites Grinsen. „Ja, sie spüren das“. Ach ne, ein erleichterndes ausatmen.

Bis auf die Schwellung waren sie also zufrieden. Und ich war schon fast auf dem Weg vom Stuhl, als Dr. Schaff eine Bemerkung machte „Was ist denn das“ und kurz um nach einem Skalpell griff und einen kleinen Schnitt machte. Augenblicklich schoss ein Strahl von Blut der Ärztin vor mir entgegen und landete im hohen Bogen auf Ihrer Schürze. Auf dem Stuhl und wer weiß wohin sonst noch. Er hatte wohl das große Hämatom geöffnet und das ergoss sich nun aus mir.

Als es so vor mich herlief, versuchten sie mich zu beruhigen. „Das ist nur altes Blut“ – Ich antworte nur: „Ist schon alles gut, ich weiß das“. Verwirrte Blicke! Ich erklärte ihnen dann, dass ich in meinem Leben als Sanitäterin schon ganz andere Dinge erlebt habe und das sowas ja nun echt harmlos ist. Vor allem kenne ich den Unterschied zwischen einer akuten Blutung und einem geöffneten Hämatom nur zu gut.

Augenblicklich kippte die Stimmung. Und aus der gerade noch recht ernstes Sache wurde ein kleine „Happening“ – Das „Eis“ war wohl gebrochen und nun machten diverse Arzt- und Schwesterwitze die Runde. Währendessen drückte die Ärztin – die ich offensichtlich voll gespritzt hatte – das Hämatom wie eine Orange aus. Okay, eher massierte. Aber es war großartig. Mit jedem Augenblick  und mit jedem Tropfen wurde der Druck da unten weniger.

Nur zu doof, das die Tamponade mit Blut voll gelaufen war. Also hieß es das Ganze mit Spülung etc. noch einmal von vorne. Ich hatte ja eh nichts besseres zu tun. Etwas wackelig und mit voll gebluteten Nachthemd verließ ich die gelöste Runde in Richtung Zimmer. Spitze, mein eigenes Nachthemd war hinüber. Aber dafür war der Druck weg. Endlich!! Ich rief nur noch kurz daheim an. Bestellte mir ein neues Nachthemd und schlief ziemlich schnell völlig fertig ein. Was für ein Tag!

 Der Katheter nervt!

Seit dem „Blutbad“ von gestern läuft alles nun wesentlich besser. Ich kann schon mehr oder weniger, wenn der Katheter nicht wäre, fast ins Bett hüpfen. Im Grunde ist es auch nur noch der Katheter der mich generell in meinen Bewegungen einschränkt. Es ist mittlerweile für mich problemlos möglich die Beine zu überkreuzen und wieder „normal“ zu laufen. Was so ein kleiner „Aderlass“ doch alles bewirken kann.

Allerdings hat es nun auch Nachteile. Ohne das prall gefüllte Hämatom rutscht der Katheter immer wieder zwischen die kleinen Schamlippen und ich denke in den Momenten ich müsse sterben. Warum nur, ist das da nur so empfindlich. Nein, es tut nicht weh – es ist einfach nur nicht zum Aushalten. Bitte bitte lass die Zeit möglichst schnell vergehen, bis der Katheter raus kommt.

„Ich schaff das“ – diese Gedanken halten mich über Wasser. Doch wie labil ich bin merke ich als mich eine Schwester etwas unfreundlich auffordert mich endlich selbst zu verbinden. Wie bitte!? Es hat mir bis jetzt keiner erklärt, geschweige denn gezeigt. Etwas missmutig zeigt sie es mir. Nachdem sie das Zimmer verlassen hat, breche ich erstmal in Tränen aus. Ich kann einfach nicht mehr. Ich fühle mich wie ein kleines dummes Mädchen. Klar, die Schwester meinte es nicht böse, aber in dem Moment war es einfach zu viel für mich.

Aber zumindest kann ich mich jetzt selbst versorgen! Was ich dann auch in Zukunft mache. Ich muss schließlich schnell wieder fit werden und die Schwestern haben genug um die Ohren. Wer weiß wofür die Tränen gut waren. Reinigend waren sie sicher – aber ich merke auch unter welche Anspannung ich hier stehe. Aber hey, es kann nur aufwärts gehen und Morgen schaut die Welt schon wieder etwas besser aus. Vielleicht kommt der Katheter ja wirklich am Wochenende raus? Dann kann ich vielleicht nächste Woche heim. Gedanken die mich zum Durchhalten motivieren. Außerdem wird es jetzt leer auf der Station. Die nächste mit der ich hin und wieder spreche verlässt Morgen die Klinik. Es wird ruhig.

Weiter geht es bald im nächsten Teil vom „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“. Also schaut bald wieder vorbei. 😉

Liebe Grüße
Ellen