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ch habe jetzt eine kleinere unfreiwillige Pause mit dem Schreiben eingelegt.  Nicht bewusst oder absichtlich, sondern viel mehr weil ich mit meinen eigenen Gedanken viel zu sehr beschäftigt war und daher keine Muße hatte irgendetwas nieder zu schreiben. Dabei ist so viel passiert – bzw. es wird bald noch viel mehr passieren. Aber alles der Reihe nach. Meine aktuellen Gedanken möchte ich jetzt einfach einmal aufschreiben – nicht zuletzt, weil es mir wahrscheinlich gut tun wird.  Vielleicht versteht mich die ein oder andere Person – oder kann es zumindest irgendwie nachvollziehen.

Um es halbwegs übersichtlich zu gestalten untereile ich diesen Beitrag ausnahmsweise einmal in grobe Bereiche. Es wird aber auf jeden Fall kein Stil den ich auf Dauer machen werde. Nun geht es aber endlich los:

Vornamens- und Personenstandsänderung

Es wird Zeit, dass ich über den aktuellen Stand in Sachen meiner Vornamens- und Personenstandsänderung berichte. Nachdem ich schon im Januar noch mit gemischten Gefühlen die 1600,- Euro Vorauszahlung für die Verfahrenskosten geleistet habe, bekam ich etwa zehn Tage später wieder Post vom Amtsgericht und ich wurde in Kenntnis gesetzt welche Gutachter nun für mich offiziell zuständig sind.  Wen wundert es, es war genauso wie beim Termin besprochen. Gerade ein Tag später, kam dann ein Brief vom ersten Gutachter, ich möge mich doch bei ihm melden um einen Termin zu machen. Gesagt, getan. Nächste Woche Donnerstag ist es dann soweit. Ich habe mein erstes Gutachtergespräch überhaupt. Drück die Daumen.

Natürlich habe ich mich mal wieder verrückt gemacht – hatte irgendwelche was wäre wenn Szenarien im Kopf. Aber was soll ich sagen. Fakt ist, egal was beim Gutachten rauskommt. Ich werde ganz ganz sicher nicht zurück gehen. Das packe ich nicht mehr. Werde ich auch nicht. Denn selbst wenn der Name auf dem Pass nicht stimmen sollte – bleibe ich ich. Ihr merkt, ich versuche es mir positiv zu reden. Warum eigentlich ? Sollte es nicht offensichtlich sein was mit mir los ist ? Dass es für mich der richtige Weg ist? Ich denke – ja !!! Ich bin eben so wie ich bin und das ist gut so.  Viel habe ich die letzten Monate seit meinem Coming Out mit mir selbst zu tun gehabt. Der Groschen viel Silvester und seit dem setzt sich in mir langsam der Gedanke, dass es gut wird und zu großen Teilen auch ist. Seltsamerweise ist ist in diesem Zusammenhang mein Bedürfnis mich in Foren auszutauschen extrem zurück gegangen. Real Kontakte schätze ich hingegen umso mehr. Natürlich auch ein paar andere die ich noch nicht persönlich kenne aber ein wenig ins Herz geschlossen habe. Betreffende Personen wissen bestimmt dass sie gemeint sind. Ich schaue nur reinzufällig in den Norden, ein wenig in den Westen und einmal ganz in die Nähe nach Nürnberg. *zwinker*

Also was hält mich noch. Ich werde versuchen selbstbewusst ins Gespräch zu gehen. „Nothing to lose, but so much to gain“

Bartepilation (IPL)

Hier tut sich auch so einiges. Acht Sitzungen der IPL-Bartepilation in Roßtal bei Hairfree habe ich nun schon hinter mir. Klar bin ich ein wenig traurig, dass der Bart nicht ganz weg ist. Aber wie sollte er auch in der kurzen Zeit. Was über Jahre gewachsen ist, lässt sich leider nicht so schnell entfernen / bekämpfen. Dafür sind die kahlen Stellen aber immer mehr und größer geworden. Dafür danke an Petra. Ach ja und danke für das extra lange kühlen. Mittlerweile wird es auch an der Oberlippe besser. Und so bleibe ich wohl erstmal dabei und bleibe bei der IPL-Epilation. Bleibt nur zu hoffen, dass die Haare an der Unterseite vom Kinn sich auch bald mal verabschieden. Furchtbares Zeug. Was hat sich die Evolution eigentlich dabei gedacht. *grummel*

Vereinzelte weiße Haare – man merkt mir mein Alter doch etwas an – zupfe ich mittlerweile mit einer Pinzette. Mich stört es eben doch, wenn an einer eigentlichen kahlen Stelle einzelne weiße Haare zu sehen sind. Und nein, die waren schon vor der IPL weiß, falls das jemand denkt.  Wenn wir schon mal beim Thema lästige Haare sind. Ich werde dann wohl als nächstes dann mir die Haare am Oberkörper (Bauch) behandeln lassen. Auf der Brust ist zum Glück so gut wie nichts mehr von den paar Haaren die mal da waren durch die Hormonersatztherapie da, oder ist so zart das es kaum zu erkennen ist. Ein positiver Nebeneffekt 😉 .. Irgendwann kann ich mich dann auch mal im Bikini zeigen ohne zu denken .. hoffentlich sieht keiner die nachwachsenden Haare.

Erlebnisse

Was gibt es von besonderen Erlebnissen zu berichten ? Schwierig, eigentlich sollte ich anfangen immer ein kleines Notizbuch dabei zu haben. Dann frage ich mich aber wozu ? Ich lebe mein Leben als Frau bin im Grunde fast komplett angekommen – ja, VÄ/PÄ und GaOp fehlen für mich noch. Aber sonst könnte es kaum besser laufen! Alle Menschen mit denen ich häufiger Kontakt haben reden mich nur noch mit meinem weiblichen Namen an. Außerdem bekomme ich Einladungen zu Veranstaltungen wie z.B. Weiberfasching – Danke dafür – Sowas hab ich früher nie erleben dürfen. Nein, ich war nicht beim Fasching. Irgendwie ist es doch nicht ganz meine Welt. Aber die Geste hat mich dann schon gerührt. Wenn jemand an mich denkt ist es doch ein schönes Gefühl.

Dann gibt es die ersten zarten Kontakte zwischen meinem Stiefsohn und mir. Das freut mich total, auch wenn er nicht mit mir gesehen werden möchte. Was ich natürlich verstehe und es auch akzeptiere. Aber es ist so schön mal wieder was von ihm zu hören. Ich denke einige von Euch können sich das vielleicht vorstellen, wie es ist wenn der Kontakt zu einem geliebten Menschen abbricht und man evtl. schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dass es nie wieder sein wird. In soweit ein kleiner Lichtschein am Himmel. Ich wünsche mir, dass es zumindest so bleibt oder vielleicht sogar noch besser wird. Die Zeit wird es zeigen.

Nun komme ich mal zu dem Thema Außenwelt – Also Leute mit denen ich nur flüchtig (beim Vorbeilaufen) Kontakt habe. Also Menschen die mich gar nicht kennen. Es gibt Tage, an denen es mir nichts ausmacht. Aber an anderen – wenn ich schon die negativen Schwingungen der Leute spüre – ist es ganz furchtbar. Man merkt und zieht wie sie dich mustern und die Nase rümpfen. Teilweise hilft es mir zu denken, die sind nur so, weil sie damit überfordert sind und weil sie eben nicht wissen wie es ist im falschen Körper zu sein. Dann aber, gibt es auch Momente in denen ich daran Verzweifel. Ich mich am liebten vergraben würde und nie wieder raus gehen würde. Ich denke dann das mein „Passing“ so schlecht sein muss und ich eben nie akzeptiert werde.

Was natürlich völliger Unsinn ist.. In diesem Zusammenhang schon wieder ein Dank an die Personen / Freunde die mir dann in den Hintern treten und mich wieder auf Kurs bringen. Es dauert halt bei mir einfach etwas länger. Ja, ich bin total zufrieden mit dem was ich in der Zeit erreicht habe, mit dem was sich körperlich durch die Hormone getan hat und ja, ich denke und hoffe, dass ich mittlerweile ohne größere Probleme auch als eine halbwegs normale Frau durchgehen sollte. Denn was anderes bin ich nicht und werde ich niemals mehr sein. Also Welt da draußen, stellt Euch darauf ein, hier bin ich und ich habe vor zu bleiben. Außerdem ist es viel viel wichtiger, dass meine Familie und Freunde bei mir sind. Denn ohne die wäre ich nichts. Danke dass es Euch gibt.

Und viel wichtiger ! Meine Partnerin findet mich schön und dass ist eh das Schönste. Ach was, dass sie bei mir ist ist das Schönste und größte Geschenk auf der Welt. Mit der Zeit die wir bis jetzt gemeinsam auf unser/meiner Reise sind wird es mir immer mehr bewusst – welche Kraft mir unsere Beziehung überhaupt gibt. Alles riskiert und viel mehr gewonnen als erträumt. Ich finde da eh bald Valentinstag ist kann ich ihr schon einmal virtuell ein „ICH LIEBE DICH!“ schicken.

Das soll es erstmal für Heute gewesen sein. Ich melde mich spätestens in einer Woche wieder. Mal sehen wie das Gespräch verläuft und wie viele Sitzungen benötigt werden um ein Gutachten zu erstellen, dass eigentlich eh schon fix sein sollte.

Liebe Grüße
Ellen