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s wird wieder Zeit das „Tagebuch meiner Geschlechtsangleichenden Operation“ fortzuführen. Ich hoffe die Wartezeit war für Euch bis jetzt nicht all zu lang und Ihr verzeiht mir, dass ich erst am Wochenenden zum Schreiben gekommen bin. Irgendwie fällt es mir momentan noch etwas schwer meinen Alltag wieder zu finden. Macht Euch aber nichts drauß, denn wie versprochen geht es nun nahtlos weiter und zwar mit dem Tag vor der Operation.

Ohne Euch jetzt lang hin zuhalten wünsche ich Euch nun viel Spaß beim Lesen.  Natürlich würde ich mich wie immer über Rückmeldungen, Kommentare oder E-Mails freuen.

Der Tag vor der Operation – Die Anfahrt

Unsanft, nach einer eher unruhigen und fast schlaflosen Nacht, rüttelt mich mein Wecker gnadenlos um kurz nach fünf wach. Wie, was, wo ? Ach ja! Heute geht es ja los. Der Tag der großen Operation kommt unaufhaltsam immer näher. Mühselig quäle ich mich aus dem Bett und bewege mich noch immer schlaftrunken ins Bad.  Gut das ich vorsorglich am Vortag nochmal ein ausgiebiges Bad genommen habe. Schließlich ist es ja offen, ab wann ich wieder baden darf.

Aber auch so, die morgendliche Routine geht mir nur schwer von der Hand. Irgendwie zieht sich alles extrem hin. Vielleicht ist es auch nur der Müdigkeit geschuldet, dass ich fast eine Stunde brauche um endlich halbwegs mit mir zufrieden zu sein. Auf jeden Fall schaffe ich es noch gerade rechtzeitig um meine Tochter um halb sieben zu wecken. Sie weiß erst seit Gestern von der bevorstehenden Operation, freut sich aber riesig, dass es endlich so weit ist und ihr Papa bald glücklich sein kann.

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr! Ich schaffe es gerade noch ein halbes Käsebrötchen und meinen Kaffee runter zu stürzen, als wir feststellen, dass wir jetzt los müssen. Um kurz nach sieben fährt schließlich schon die S-Bahn nach Nürnberg. Ein Glück das mich meine Liebste noch zum Bahnhof fahren kann. Mit Tränen in den Augen verabschieden wir uns und ich hoffe inständig, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein mag, dass wir uns in den Arm genommen haben.

Habe ich schon mal erwähnt, dass es furchtbar ist in der früh mit dem Zug zu fahren? Nicht nur, dass die ganzen Pendler nach Nürnberg wollen. Nein, auch die Schüler sind unterwegs und wollen verständlicherweise zur Schule. Ein Glück, dass ich noch einen Sitzplatz ergattern konnte. Im ICE nach München verließ mich das Glück allerdings gleich wieder. Ohne Sitzplatzreservierung blieb mir nicht fiel anderes übrig, als mir einen unbequemen Platz auf dem Fußboden zu suchen. Aber wenigstens konnte ich so in Ruhe mein Buch (auch wenn es nicht gut war) zu Ende lesen.

Der Tag vor der Operation – Die Anfahrt

Ankunft in München

Bis auf den fehlenden Sitzplatz gab es mit der Bahn keine weiteren Probleme und so stand ich pünktlich um halb zehn vor der Praxis von Dr. Schaff und Dr. Morath in München. So weit, so gut. Die erste Etappe für den Tag habe ich also schon geschafft. Was mag mich heute noch so erwarten? Eine berechtigte Frage.

Ich klingelte zaghaft und die Tür wurde mir umgehend geöffnet. Die Dame am Empfang war – wie nicht anders gewohnt – total nett und erklärte mir, dass die beiden Ärzte noch im OP sind und es deswegen noch etwas mit dem Aufklärungsgespräch dauern würde. Ich kann aber, wenn ich möchte, im Wartezimmer platz nehmen und einen Kaffee haben. Den Kaffee lehnte ich allerdings dankend ab und begab mich in den noch leere Wartebereich.

Praxis - Dr. Schaff und Dr. Morath

Erstmal durch schnaufen und die Gedanken sortieren. Wer weiß wofür, diese kurze Auszeit gut war. Wobei aus kurz warten wurden es dann knapp 90 Minuten rum sitzen und Däumchen drehen. Ein Glück, dass ich nur bis zwölf Uhr im Krankenhaus laut Brief eingecheckt haben sollte. Jetzt war es bereits elf und ich dachte mir jetzt wird es aber eng, als ich dann in das Arztzimmer von Dr. Schaff gebracht wurde.

Aber auch hier dauerte es noch ein paar Minuten bevor es weiterging und so studierte ich in Ruhe die Titel der Bücher im Regal.  Irgendwie hatte die ganze Warterei gerade etwas von Entschleunigung vom Alltag. Der Stress der letzten Tage begann ab zufallen und die Aufregung begann sich zu legen. Wer hätte das gedacht? Normalerweise rechnete ich bis zum letzen Augenblick total nervös zu sein.

Gerade als ich mir bewusst wurde wie ruhig ich geworden bin, kam auch schon Frau Dr. Morath rein und begrüsste mich auf Ihre freundliche und charmante Art. Sympathisch ist sie, dass muss man ihr wirklich lassen. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass das Aufklärungsgespräch recht locker ablief und wir mehr oder weniger zusammen die Liste von möglichen Komplikationen ausfüllten, die bei so einer Operation auftreten können. Vielleicht half mir auch einfach meine Vergangenheit als Sanitäterin, dass ich die meisten Dinge damals auswendig lernen musste.

Auf jeden Fall waren wir wohl in „Rekordzeit“ fertig. Sie wünsche mir für den nächsten Tag alles Gute und meinte noch dass wir uns dann morgen sehen. Ich dachte mir, vermutlich nicht, da ich im OP mit Sicherheit schon schlafen würde und machte mich auf dem Weg zurück zum Münchener Hauptbahnhof, bzw. weiter zur Frauenklink des Rotkreuzklinikum München.

Im Krankenhaus

Zehn vor zwölf war ich in der Anmeldung im Krankenhaus angekommen. Also kurz auf knapp, aber bis jetzt lief es wir am Schnürchen. Doch der Schock folgte so gleich. Die Sachbearbeiterin teilte mir mit: „Es tut mir leid Frau H., Sie sind in unserem System nicht vorhanden.„, „Ich habe leider kein Bett für Sie„, „Sind Sie sicher, dass Sie heute einen Termin haben?„. Ein Glück hab ich es mit Humor getragen und so fing ich mit der Dame an Späße über die Situation zu machen.

Frauenklinik - Rotkreuzklinikum München

Irgendwann kam Sie auf die Idee einmal im OP anzurufen und zu fragen, ob ich denn dort für Morgen auf dem Plan stehe – was die dort dann auch gleich bestätigten. Hey, soweit war die Operation dann wohl doch gesichert. Mit den Worten „Wissen Sie was? Ich schicke Sie jetzt einfach auf Station und die sollen Ihnen dort dann ein Bett zuweisen“ schickte sie mich dann los.

Keine Ahnung wie, aber irgendwie muss ich absolut verwirrt und planlos auf der Station angekommen sein. Zumindest fühlte ich mich in dem Moment so, als ich bemerkte, dass ich meine Patientenakte unten am Empfang liegen lassen hatte. Ich kann es! Also nochmals runter und sie geholt.

Ein Glück das die diensthabende Schwester so eine Engelsgeduld mit mir hatte. Auf jeden Fall hatte sie schon ein Bett für mich in der Zeit organisiert in der ich unterwegs war und so konnte ich endlich mal ein paar Minuten durch schnaufen und mich bei meiner Zimmernachbarin vorstellen.  Leider sollte diese mich schon Morgen wieder verlassen. Aber ich erfuhr von Ihr, dass eine Bekannte von mir gerade ein paar Tage zuvor genau in meinem Bett lag. Wie der Zufall so manchmal spielt – Wobei genial wäre es, wenn wir beide zur gleichen Zeit hier gewesen wären.

Kaum war die Vorstellung auch schon rum, musste ich zum Narkosegespräch. Jetzt ging es wirklich Schlag auf Schlag. Wobei das Gespräch selbst war auch wieder extrem Schnell vorbei. „Ach, sie kennen sich aus?“ – Also ruckelten wir schnell durch die nötigen Formulare. „Sie haben wirklich noch nie eine Operation gehabt“ – Ist das denn so selten mittlerweile? Auf jeden Fall, war der Anästhesist mit allen Angaben zufrieden und schickte mich nach knapp zehn Minuten wieder fort.

Zurück im Zimmer bekam ich dann allerdings erstmal einen Schock. Ich wusste zwar, dass es sein musste – Aber dass das Zeug zum Abführen so widerlich ist hat mir keiner gesagt. Bah, wer hat sich das nur einfallen lassen. Glück im Unglück, da ich nichts bis auf ein halbes Käsebrötchen hatte reichte mir ein Liter von dem Zeug alle mal und ich war nach kürzester Zeit mit dem Thema durch. So schnell möchte ich dieses Erlebnis auch nicht wieder haben. Meine Zimmernachbarin war auf jeden Fall perplex. „Wie kannst Du so ruhig sein“ – „Ich war die halbe Nacht auf Toilette“. Nochmal Schwein gehabt 😉

Übrigens wurde es jetzt Zeit eine andere total liebe Bekannte, die die Operation bereits ein paar Tage zuvor hatte, zu überraschen. Ich bin ja gar nicht gemein! Auf jeden Fall dachte sie, ich würde nur jemanden an diesem Tag dort besuchen. Ihr Gesicht sprach allerdings Bände, als sie ins Zimmer kam und Begriff was gerade los ist. Gut das alle die es wussten dicht gehalten haben. (Danke dafür) So war die Überraschung noch um einiges größer und ein Glück das ich keinen Knuff in die Seite bekam. Verdient hätte ich es ja 😀

Zwischendrin kam dann ein Pfleger rein. Teilte mir mit, dass mein OP-Termin um kurz nach neun angesetzt ist und wie der weitere Ablauf für Morgen früh aussieht. Nun wird es endgültig ernst. Von Aufregung war keine Spur mehr, nur noch das Gefühl endlich so nah am Ziel zu sein. Ein Zurück hätte es nie gegeben. Bald soll ich also frei von dem Zeug da zwischen den Beinen sein. Lang genug hab ich mir den Tag ja herbei gesehnt. Hoffnungsvoll ging ich also abends ins Bett und schlief das erste Mal seit Wochen wundersamerweise erholsam und durch.

 

Weiter geht es demnächst im dritten Teil mit dem großen Tag der Geschlechtsangleichenden Operation. Also schaut bald wieder vorbei. 😉

Liebe Grüße
Ellen