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m Montag war es soweit, ich hatte meinen aller ersten Termin überhaupt in der Frauenklinik. Genauer gesagt in der Endokrinologie um den möglichen Beginn einer Hormontherapie zu klären. Dort hatte ich schon vor längerer Zeit zur Sicherheit einen Termin gemacht, um die mögliche Wartezeit so kurz wie nötig zu halten. Gut ich hatte dann auch noch das Glück, zum passenden Zeitpunkt auch noch eine Überweisung zu bekommen. Also so dachte ich ich wäre gut gerüstet für den Termin, dazu aber jetzt im Detail mehr …

Der Termin sollte am Montag um 14.00 Uhr sein. Da es ein paar Kilometer von mir aus zu fahren sind, dachte ich mir, ich fahre einfach zwei Stunden eher los. Also bin ich um 12.00 Uhr mit dem Ziel Endokrinologie gestartet. Wie es immer so ist, so gab es anders als gedacht diesmal keine Problem mit der Anfahrt und ich war eine Stunde zu früh dort. Ich parkte mein Fahrzeug am Bahnhof und lieft gemütlich durch die Innenstadt zur Frauenklinik der Universität. Hätte mir aber auch mal jemand sagen können, dass die Stadt bei herrlichem Wetter voller Studenten ist! Ich machte mir nichts draus und lief munter weiter. Anders als in Ansbach schien niemand von mir Notiz zu nehmen. Nette Abwechslung !!

Die Frauenklinik war auch schnell gefunden. Die Endokrinologie allerdings eher nicht. So geisterte ich durchs Gebäude und suchte vergebens im Gebäudeteil C den dritten Stock – den es nicht gab. So weit die zuverlässigen Angaben auf der Internetseite. Also wieder Treppen runter, Treppen rauf … im Gebäudeteil B hab ich dann das Zimmer mit der Anmeldung gefunden. Doch war mein Makeup hinüber und ich musste mich erstmal wieder halbwegs zurecht machen. Also schwupps auf die Toilette.

Danach bin ich dann in die Anmeldung gegangen und mich dort vorgestellt. Eins muss man sagen die Schwestern sind sehr freundlich und bemüht gewesen da gibt es nichts. Sie drückten mir einen Anamnese- und ein paar Anderebögen  in die Hand, die ich dann auch schnell nach besten Gewissen ausfüllte. Embolie ? ne – Rauchen ? ne – Alkohol ? selten oder nie – usw.

Ich gab ihn ab und setzte mich wieder in den Wartebereich (ca. 13.45 Uhr) – Ich habe gedacht es würde jetzt schnell gehe. Vor allem weil außer mir nur noch eine andere Person gewartet hat. Tja, hatte ich wohl falsch gedacht. Die Uhr rückte immer weiter vor 14.00 Uhr .. nichts .. 14.30 Uhr immer nocht nichts. Mittlerweile kamen immer mehr Patienten und nahmen platz. 14.45 Uhr eine Tür ging auf und jemand, die viel viel später kam wurde aufgerufen. So ging es dann weiter und weiter. Die Person die schon mit mir am Anfang gewartet hatte wurde aufgerufen ca. 15.00 Uhr.  Ich dachte, hey jetzt kommst Du gleich dran. Aber nein. Nun wurden wieder andere aufgerufen und zum Arzt geschickt. die weit weit hinter mir gekommen waren. Kurz vor vier dachte ich dann, die haben mich vergessen und ich löste zur Sicherheit noch per SMS ein weiteres Parkticket für mein Auto.

Doch kaum hatte ich das getan, wurde ich endlich von einer netten Assistentsärztin aufgerufen. Ich war endlich dran.. Juchuuu. Was folgte war allerdings alles andere als aufmunternd. Der Arzt war relativ angesäuert, dass meine Therapeutin die Diagnose in seinen Augen „so schnell“ gestellt hatte und ließ es mich auch extrem spüren. Man merkte richtig, dass er mich am liebsten wieder nach Hause geschickt hätte. Nur konnte er es wohl auch nicht bringen und tippte dann mit Wut im Bauch die Grunddaten in den PC. „Haben sie einen Attest“ – „Sie brauchen einen Attest“ – Erklärungen dass ich einen Arztbrief bei der Therapeutin angefordert hatte waren ihm egal. Dann begann er nach ein paar weiteren Stichelleien wohl mit dem normalen Aufnahmeprozedere (nicht ohne das Gefühl zu vermitteln, dass er mich am liebsten nach Hause schicken würde) – Sie wissen, was die Gabe von Hormonen mit dem Hoden verursacht ? Sie werden kein Körpchengröße D etc. bekommen.

Also ob ich das will.. und ja ich weiß um die Unfruchtbarkeit. Schließlich beschäftigt sich doch Frau damit was es bedeutet. Und ja ich möchte keine weiteren Kinder. Ok, sind vermutlich alles Punkte die er abklappern musste. Genauso, wie er mir von einer Studie zum Thema Transsexualität erzählen musste und dass man dort freiwillig mitmachen könne. Mal ehrlich, wäre er netter und nicht so ruppig gewesen, wäre ich vielleicht sogar mit einverstanden gewesen. Nun wollte ich nur noch so schnell weg von ihm wie es geht. Wer weiß ob ich nicht einfach bald los geheult hätte. Einfühlungsvermögen ist etwas anders.

Er ordnete an große Blutbild mit diversen Test an und schickte mich raus zur Schwester. Ich hatte es nach 15 Minuten überlebt. Die Schwestern waren wieder sehr nett und kümmerten sich um mich. Ich setzt mich auf einem merkwürdigen Stuhl auf Rollen (kein Rollstuhl) und sie nahmen 6 Ampullen Blut ab. Was auch problemlos war. Der Stich war nicht wirklich zu spüren und einen blauen Fleck gab es auch nicht. Großes Lob dafür.

Danach noch einen Termin für den nächsten Monat ausgemacht um die Blutwerte zu besprechen. Hoffentlich ist nichts, was dem Ganzen entgegen steht. Ich machte mich dann auf jeden Fall so schnell wie möglich dort aus dem Staub. Zu sehr war ich innerlich aufgewühlt vom Arztgespräch. Das er keine Jubelschreie macht weil ich komme, war mir klar – aber ich mach dass Ganze ja auch nicht zum Spaß. Ich lief ohne Umwege zum Auto – wollte ich doch nur nach Hause.

Zu hause angekommen ging es mir dann alles andere als gut. Das Ganze hat mich doch seelisch sowas von mitgenommen, wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Hoffentlich wird der nächste Besuch dort erfreulicher. Vielleicht mit einem anderen Arzt. So fühle ich mich halt dort einfach nicht gut aufgehoben, was das menschliche angeht.

Jetzt zwei Tage danach rückt das Ereignisse langsam in den Hintergrund und die Hoffnung auf einen möglichen Beginn der Hormontherapie erhellt den Gemütszustand. Hoffentlich ist es dann auch wirklich so. Wer weiß wie ich es aufnehme, wenn es heißt : „Liebe Frau H., leider ist bei ihnen von einer Gabe gegengeschlechtlicher Hormone dringends abzuraten.“ Einfach Daumen drücken.